Redakteur: Tobias Schulze | Fotos: Andreas Behr, Lisa Behrmann
Es ist 3:17 Uhr nachts auf Borkum. Der Wind peitscht über die Insel, irgendwo klirrt Glas. Ein Rauchmelder schrillt. Flammen fressen sich durch den Dachstuhl eines Einfamilienhauses. Die Nachbarn stehen hilflos auf der Straße. Sirenen? Fehlanzeige.
Klingt schlimm? Ist es auch, doch natürlich ist das nur ein Gedankenexperiment. Denn die Wahrheit ist: Die Freiwillige Feuerwehr Borkum steht bereit. 24 Stunden am Tag. 365 Tage im Jahr. Ehrenamtlich. Stets bereit, mutig und engagiert, regelmäßig auf neuestem Stand ausgebildet und immer verantwortungsbewusst. Aber sie steht auf immer dünner werdendem Fundament.
Fast 5.000 Einwohner. Und unzählige Zweitwohnungen. Dem entgegen stehen Zweihundertzweiundzwanzig Förderer.
Das ist keine Zahl, auf die man stolz sein kann. Das ist eine Zahl, die alarmiert. Während wir alle ruhig schlafen, während Feriengäste die Insel genießen, während Vermieter Woche für Woche Schlüssel übergeben, tragen gerade einmal rund 222 Menschen finanziell dazu bei, die Grundlage dafür zu sichern, dass aus ehrenamtlichem Engagement verlässliche Hilfe wird. Ist uns unsere Sicherheit wirklich nur das wert?
Feuerwehrmann Henrik Poppinga (HePo) lehnt sich nach einem Großeinsatz an das Löschfahrzeug. Die Müdigkeit sieht man ihm an: „Wenn der Pieper geht, lassen wir alles stehen und liegen“, sagt er. „Geburtstage. Hochzeiten. Abendessen. Und das heißt auch, dass die eigene Familie, die Kinder dann auf uns verzichten.“ Warum? „Weil es selbstverständlich ist, zu helfen.“ „Wir kommen. Egal was ist.“ „Wenn der Pieper geht, lassen wir alles stehen und liegen ...“ Selbstverständlich. Aber sollte es nicht auch selbstverständlich sein, diese Hilfe zu unterstützen? Die Stadt Borkum ist öffentlicher Träger der Freiwilligen Feuerwehr Borkum. Die Feuerwehr wird in vielen Bereichen zuverlässig unterstützt. Doch nicht alles kann durch öffentliche Mittel abgedeckt werden. Zwar werden grundlegende Ausstattung und wichtige Mittel bereitgestellt, doch Ausbildung, zusätzliche Ausrüstungsgegenstände, Nachwuchs- und Jugendarbeit sowie besondere Anschaffungen erfordern darüber hinausgehende, unbürokratische finanzielle Mittel. Und auf einer Insel gelten eigene Bedingungen: Logistik ist aufwendiger. Technik ist kostenintensiver. Wartung ist teurer. Was jedoch nicht teurer geworden ist, ist die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – und Förderer zu werden. Damit die Feuerwehr auch in Zukunft schnell, professionell und zuverlässig helfen kann, braucht sie Unterstützung über die öffentliche Finanzierung hinaus.
Zweitwohnungsbesitzer und InsulanerInnen stehen in der Verantwortung
Wer hier Eigentum besitzt – ob Hauptwohnsitz, Ferienwohnung oder Kapitalanlage – profitiert von der Sicherheit, die die Feuerwehr im Ernstfall garantiert.
Oder anders gefragt: Wenn Ihre Ferienwohnung brennt – wer soll löschen? Wenn es im Nachbarhaus Ihrer vermieteten Immobilie brennt – wer verhindert das Übergreifen der Flammen? Wenn Ihr Mieter nachts den Notruf wählt – wer kommt? Die Antwort ist immer dieselbe: Die Freiwillige Feuerwehr Borkum.
„Stellen Sie sich vor, wir hätten nicht genügend ehrenamtliche Feuerwehrfrauen und -männer.“
Henrik schaut ernst. „Noch haben wir genug Einsatzkräfte. Aber Motivation entsteht auch durch Wertschätzung. Und Unterstützung ist Wertschätzung.“
Ein Förderbeitrag im Jahr. Egal wie groß oder klein er ist. Das ist oft weniger als eine Restaurantrechnung. Weniger als eine Monatsrate für Streamingdienste. Weniger als im Ernstfall entstandenen Schaden zu ersetzen. Und doch scheint es für viele zu viel zu sein.
Was ist uns die Leistung der Feuerwehr wert?
Borkum lebt vom Zusammenhalt. Vom Ehrenamt. Vom Miteinander. Aber Zusammenhalt zeigt sich nicht in warmen Worten am Stammtisch. Sondern in konkretem Handeln. 222 Förderer sollte nur ein Anfang sein – da geht noch mehr und es waren mal mehr. Denn bei fast 5.000 Einwohnern und einer großen Zahl an Zweitwohnungsbesitzern müsste diese Zahl mindestens vierstellig sein. Alles andere ist bequem. Doch Bequemlichkeit löscht keine Brände.
Unsere klare Haltung als Redaktion:
Jeder Wohnungs- und Hauseigentümer sowie Mieter auf Borkum sollte Förderer der Freiwilligen Feuerwehr sein. Punkt. Der Beitrag kann klein sein. Aber die Wirkung ist groß. Denn am Ende geht es um eine einfache Frage: Wenn es brennt – wollen Sie, dass jemand kommt? Dann helfen Sie mit, dass es weiterhin so bleibt.
Förderbeitrag steuerlich absetzbar
Sie erhalten jährlich am Anfang des Jahres eine Bestätigung über die Zuwendung im Sinne des §10b des Einkommensteuergesetzes und können Ihren Förderbeitrag somit bei der Einkommenssteuererklärung geltend machen.






