Redakteur | Fotos: Andreas Behr
Abschlussjahrgang 2026 der Inselschule feierlich verabschiedet
AK26 – Der Chaosjahrgang
Mit einer ebenso feierlichen wie persönlichen Abschlussfeier hat die Inselschule Borkum am Freitag ihren Abschlussjahrgang 2026 verabschiedet. Unter dem selbst gewählten Motto „AK26 – Die
Chaoten“ erhielten 37 junge Frauen und Männer ihre Zeugnisse und wurden aus der allgemeinbildenden Schulpflicht entlassen. Reden, Musik, Ehrungen und zahlreiche persönliche Dankesworte prägten
den Vormittag in der festlich geschmückten Sporthalle.
Musikalisch eröffnet wurde die Feier vom Schulorchester unter der Leitung von Daniela Beckmann und Lisa Hobein. Schulleiter Philipp Wenning begrüßte die Absolventinnen und Absolventen, ihre
Eltern sowie die Vertreterinnen und Vertreter aus Stadt, Kirchen und Berufsschule. Sein Dank galt allen, die an den Vorbereitungen und am Programm beteiligt waren, dem Kollegium und Schulteam
sowie besonders den Eltern, die am Vortag beim Schmücken der Halle geholfen hatten.
Alle erreichten ihr Ziel
Wie es bei den Abschlussfeiern Tradition ist, ließ Wenning zunächst die Zahlen sprechen. Verabschiedet wurden 35 Schülerinnen und Schüler aus dem zehnten sowie zwei aus dem neunten Jahrgang. Fünf
Jugendliche erreichten den Hauptschulabschluss, vier den Sekundarabschluss I – Hauptschulabschluss, sieben den Sekundarabschluss I – Realschulabschluss und neun den erweiterten Sekundarabschluss
I, der zum Besuch der gymnasialen Oberstufe berechtigt. Hinzu kommen zwölf Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, die erfolgreich in die elfte Klasse versetzt wurden. Besonders erfreulich sei, dass
alle Jugendlichen des Jahrgangs einen Abschluss erreicht hätten, betonte Wenning. Das sei keineswegs selbstverständlich und ein Ergebnis, auf das die Schülerinnen und Schüler zu Recht stolz sein
könnten.
Krisen als Chance begreifen
Bürgermeister Jürgen Akkermann überbrachte die Glückwünsche des Rates, der Verwaltung und der Stadt. Mit dem Abschluss gehe ein wichtiger Lebensabschnitt zu Ende, zugleich beginne ein neuer Weg.
Die Jugendlichen nähmen weit mehr als Noten und Zeugnisse mit: Erfahrungen, Begegnungen und die Gewissheit, in den vergangenen Jahren bereits viel bewältigt zu haben.
Angesichts gesellschaftlicher Veränderungen, neuer Technologien, des Klimawandels und zahlreicher Zukunftsfragen sei das Wort „Krise“ allgegenwärtig. Eine Krise müsse jedoch nicht allein
Belastung bedeuten, sondern könne auch der Moment sein, in dem Neues entstehe. Gerade auf einer Insel werde deutlich, wie wichtig Gemeinschaft, Verantwortung und die Bereitschaft zum Mitmachen
seien. Akkermann ermutigte die Jugendlichen, neugierig zu bleiben, einfache Antworten zu hinterfragen, sich einzumischen und Veränderungen selbst mitzugestalten. Wer die Insel für Ausbildung oder
Studium verlasse, sei später mit seinen neuen Erfahrungen und Fähigkeiten jederzeit willkommen.
Pastorin Carolin Kremendahl der ev.-ref. Kirchengemeinde verglich in ihrem Grußwort für die Ökumene die Zukunft mit dem Blick auf den Borkumer Horizont. Einige wüssten bereits genau, wohin ihr
Weg führe, andere seien noch auf der Suche. Niemand könne jedoch vollständig erkennen, was hinter dem Horizont liege: „Das Leben bleibt ein Aufbruch ins Unbekannte.“ Mit dem biblischen Bild von
Josua, der ohne fertigen Plan in ein unbekanntes Land aufbrach, sprach sie den Jugendlichen Mut zu. Sie müssten nicht jeden Schritt bereits kennen und ihren Weg auch nicht allein bewältigen.
Eltern, Familien, Lehrkräfte und weitere Wegbegleiter hätten ihnen ein Fundament mitgegeben, auf dem sie nun aufbauen könnten. Ihr Wert hänge dabei nicht von Noten, Erfolgen oder einem
lückenlosen Lebenslauf ab. Jeder Mensch sei einzigartig, wertvoll und mit eigenen Fähigkeiten und Begabungen ausgestattet.
Eine Arbeitswelt im Wandel
Christian Land von den Berufsbildenden Schulen Borkum richtete den Blick auf die Veränderungen durch Künstliche Intelligenz. Diese werde nicht erst irgendwann in Schulen und Berufe Einzug halten,
sondern sei längst angekommen. Prüfungsformate, Unterrichtsinhalte, Ausbildungsberufe und ganze Tätigkeitsfelder würden sich verändern.
Diese Entwicklung könne Sorgen bereiten, müsse aber keine Angst machen. Sie lasse sich nicht aufhalten, wohl aber aktiv mitgestalten. Entscheidend sei, sich frühzeitig mit dem eigenen Weg
auseinanderzusetzen, Beratung anzunehmen und die technischen Veränderungen als Herausforderung und Chance zu begreifen. Besonders in handwerklichen Berufen werde der Mensch weiterhin
unverzichtbar bleiben. Land ermunterte die Jugendlichen, ihre nächsten Schritte bewusst zu planen und Chancen nicht durch unnötiges Zögern verstreichen zu lassen.
Im Ausnahmezustand gestartet
Im Mittelpunkt der Feier stand die Abschlussrede von Schulleiter Philipp Wenning. Sechs Jahre hätten die Jugendlichen an der Inselschule verbracht, seien dort ein Stück weit erwachsen geworden
und hätten sich zahlreichen schulischen wie persönlichen Herausforderungen gestellt. Zugleich habe der Jahrgang keine Gelegenheit ausgelassen, auch den Lehrkörper herauszufordern. Mit seinem
besonderen Maß an Reibung werde der selbst ernannte Chaoten-Jahrgang sicher in Erinnerung bleiben.
Wenning erinnerte daran, unter welchen Bedingungen diese Schulzeit 2020 begann: mitten in der Corona-Pandemie mit Masken, Abstand, Homeschooling und einem weitgehend aufgehobenen normalen
Schulalltag. Es folgten der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, wirtschaftliche Unsicherheiten, Inflation, politische Instabilität, der Klimawandel und die rasante Entwicklung der
Künstlichen Intelligenz. Der Jahrgang sei damit in einer Zeit erwachsen geworden, in der Normalität häufig die Ausnahme gewesen sei. Die Vielzahl der Krisen und täglichen Hiobsbotschaften erzeuge
leicht das Gefühl, das Land trete auf der Stelle und die Zukunft werde zunehmend unsicher.
Deutschland verglich Wenning mit einem Schiff, das Rost angesetzt habe, leckgeschlagen sei und dessen Besatzung zwar den Kurs ändern wolle, sich über die Richtung jedoch nicht einigen könne.
Während die einen nach rechts und die anderen nach links steuerten, hätten politische Kräfte an den extremen Rändern leichtes Spiel. Zugleich sei in den vergangenen Jahren zu stark von der
Substanz gelebt und ein hoher Kredit auf die junge Generation aufgenommen worden.
Bei dieser düsteren Bestandsaufnahme wollte Wenning es jedoch nicht belassen. Mit einem Zitat von Max Frisch – „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der
Katastrophe nehmen“ – stellte er dem verbreiteten Pessimismus eine andere Haltung entgegen. Als Beispiel erinnerte er an den Sommer 2006, als sich trotz schwieriger Stimmung im Land mit der
Fußball-Weltmeisterschaft und Herbert Grönemeyers Lied „Zeit, dass sich was dreht“ ein neues Gefühl von Offenheit und Zuversicht entwickelt habe.
Auch in den heutigen Herausforderungen lägen Chancen, betonte Wenning. Wer fürchte, durch Künstliche Intelligenz ersetzt zu werden, könne einen Beruf wählen, den diese auch künftig nicht
übernehmen werde, oder lernen, sie so zu nutzen, dass Mensch und Technik gemeinsam unverzichtbar würden. Dem Klimawandel könnten die Jugendlichen mit Wissen, Forschung und neuen Ideen begegnen,
dem Erstarken politischer Ränder mit Mut und eigenem Engagement. Gleichzeitig biete der Fachkräftemangel jungen Menschen zahlreiche Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten und ihre Energie einzubringen.
Die viel beklagte Krise könne damit gerade für ihre Generation zur größten Chance werden, weil sie die Spielregeln der Zukunft selbst mitschreiben könne.
Die Jugendlichen hätten bereits bewiesen, dass sie flexibel seien, sich anpassen und auch bei Gegenwind ihren Weg fortsetzen könnten. „Ihr habt eure Zeit an der Inselschule im Ausnahmezustand
begonnen und wart manchmal auch selbst der Ausnahmezustand“, fasste Wenning augenzwinkernd zusammen. Auch wenn die „MS Deutschland“ im Sturm schwanke und nur knapp über den TÜV komme, brauche sie
nun eine junge, unverbrauchte Crew, die das Ruder übernehme und Lust darauf habe, die Zukunft zu gestalten.
Als eingeschworene Mannschaft hätten die „Chaoten“ die Schule häufig herausgefordert – und das sei gut gewesen. Diesen kritischen und bisweilen unbequemen Geist sollten sie sich bewahren. Wenning
verabschiedete den Jahrgang mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Die Schule sei stolz auf das Erreichte und zugleich gespannt darauf, was die Jugendlichen aus ihrem Leben und aus dem
Land machen würden. Sein abschließender Appell: „Geht raus, seid mutig, mischt euch ein und nehmt eure Zukunft in die eigene Hand!“
Starker Einstand der Schulband
Für einen besonderen musikalischen Höhepunkt sorgte die neue Schulband mit Emily Bastian, Emma Maler, Jessica Taube, Lea Haferkorn und Sally Hobein. Obwohl die reine Mädchenband erst seit dem
vergangenen Jahr besteht, hinterließ sie bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt einen starken Eindruck. Mit „Ocean Eyes“ von Billie Eilish, Adeles „Rolling in the Deep“ und „Mr. Brightside“ von
The Killers sorgte die Band für einen gelungenen Einstand und viel Applaus.
Während Sally Hobein die Schule nun verlässt, wechseln die übrigen Bandmitglieder nach den Sommerferien in den neunten Jahrgang. Damit bleiben ihnen noch zwei weitere Jahre an der Inselschule –
und nach diesem gelungenen Debüt dürfte die Band künftig noch häufiger von sich hören lassen.
Das sind die Absolventinnen und Absolventen:
Charlotte Bertram, Matilda Bertram, Alicia Bosse, George Constantin Butu, Jola Zoe Erdwiens, Anna-Katharina Fiegel, Ania Goldhoorn, Ole Friedrich Goos, Thies Hagen, Maximilian Heil, Jolie
Hentschel, Hannah Marie Hobein, Emelie Höfchen, Bette Joos Hosemann, Alisha Kaesemeier, Alem Krasniqi, Linus Jasper Look, Fynn Oelke, Mathilda Paul, Kevin Porawat Petzold, Aleks Dariusz
Pierzchala, Pascal Plumbohm, Salvatore Rapana, Yvette Reckert, Jonathan Richter, Wiard Ruhm, Gabriela-Bianca Savu, Alexander Jarik Pan Schmidt, Norina Sophie Schneider, Anton Schützer, Beat
Garvin Steemann, Leif Tebben, Lara Teerling, Tim Wagner, Martha-Luise Weisz, Mara Astrid Wilken, Theda Wybrands.





















