Schauspieler und Autor bringt seine „biografisch eingetunkte“ Lese-Show in die Kulturinsel
Redakteur: Andreas Behr | Foto: Andreas Behr

Was haben Freundschaft, Heimat, Liebe, Job, Stress, der Tod und die bange Frage gemeinsam, ob man jenseits der 50 noch die große Liebe oder doch eher eine zuverlässige Begleitung für den späteren
Pflegefall suchen sollte? Sie alle gehören zum Leben – und damit zum gedanklichen Reisegepäck von Oliver Wnuk. Am Mittwoch, 1. Juli 2026, ist der Schauspieler und Autor um 20 Uhr mit seiner Show
„Wnuk denkt laut und liest was vor“ in der Kulturinsel zu Gast.
Der Titel lässt vieles offen. Das ist Absicht. Denn eine gewöhnliche Lesung soll der Abend ausdrücklich nicht werden. „Ich finde nichts unspannender als eine Lesung“, sagt Wnuk im Gespräch mit
Borkum-Aktuell. Überhaupt habe er „wahnsinnige Angst vor Langeweile“. Vielleicht ist genau das der Antrieb, der ihn seit Jahrzehnten immer wieder in unterschiedliche Ausdrucksformen treibt: in
die Schauspielerei, zum Schreiben von Büchern, Kolumnen, Hörspielen, Theaterstücken, Filmen und Songs – und nun mit eigenen Texten auf die Bühne.
Seine Lese-Show bewegt sich irgendwo zwischen Comedy, Poesie, Literatur und Biografie. Oder, wie Wnuk es nennt, handelt es sich um eine „biografisch eingetunkte Show“, bei der gelesen, erzählt,
gespielt und spontan ausprobiert wird.
Über die Dinge, über die wir täglich
stolpern
Auf der Bühne beschäftigt sich Wnuk mit den großen Fragen des Lebens und den kleinen Absurditäten, in denen sie sich verstecken. Es geht um Liebe und Freundschaft, Heimat und Beruf, Stress,
Trennung, Tod und die Suche nach dem Glück. Kurz gesagt: um „die Dinge, über die wir täglich stolpern“.
Grundlage sind unter anderem Texte aus seinem Buch „Besser wird’s nicht“ sowie Kolumnen, die er seit Jahren für die „Frankfurter Rundschau“ schreibt. Für die Bühne habe er diese Texte „ein
bisschen im Sandkasten rumgepanscht“ und daraus einen Abend entwickelt, der sich laufend verändert. Mal dauert er 90 Minuten, mal zwei Stunden. Wnuk probiert aus, lässt weg, fügt hinzu und
reagiert auf den jeweiligen Ort und das Publikum.
Dass es dabei tiefgründig wird, möchte er selbst nicht zu hoch hängen. Was andere als philosophische Betrachtung verstehen, sei für ihn schlicht die normale Auseinandersetzung mit dem Leben.
Humor gehört dennoch unbedingt dazu – etwa wenn aus der Suche nach einer neuen Partnerin plötzlich die Frage wird, ob man nicht vorsorglich nach einer geeigneten Pflegekraft Ausschau halten
sollte.
Auf den Inseln werde es ohnehin „wesentlich lustiger als sonst“, verspricht Wnuk. Schließlich sei Sommer – jene Jahreszeit, in der das Leben leicht, die Tage lang und die Bereitschaft zu schweren
Gedanken eher überschaubar ist.
Das Glück wartet nicht im nächsten
Lebensentwurf
Hinter allem steht die Frage, wo das Glück eigentlich zu finden ist – und wie viel man davon abbekommt. Wnuks Antwort fällt ebenso schlicht wie unbequem aus: Wer sein Leben heute nicht genießen
könne, werde es vermutlich auch morgen nicht tun – selbst dann nicht, wenn Wohnung, Job, Kontostand oder Beziehungsstatus inzwischen vermeintlich besser zum eigenen Wunschbild passen.
Sein Programm ist damit kein fertiger Glücksratgeber, sondern ein persönlicher Streifzug durch das, was das Leben angenehm, anstrengend und bisweilen herrlich absurd macht. Es geht ums Hinfallen
und Wiederaufstehen, ums Loslassen und um die Fähigkeit, auch dann noch zu lächeln, wenn einem gerade nicht danach ist: „Leben ist das, was passiert, während wir versuchen, alles im Griff zu
behalten.“
Bekannt aus „Stromberg“ und „Nord Nord
Mord“
Einem Millionenpublikum wurde Oliver Wnuk als Ulf Steinke in der Kultserie „Stromberg“ bekannt. Seit vielen Jahren ermittelt er zudem als Hinnerk Feldmann in der erfolgreichen ZDF-Krimireihe
„Nord Nord Mord“. Das Schreiben war für ihn allerdings nie nur eine Nebenbeschäftigung. Neben Büchern entstanden Hörspiele, Theaterstücke, Filme und Songs.
Wnuk beschreibt das Schreiben als „Beschäftigungsgarantie für mein Hirn“ und als produzierenden Gegenpol zur Schauspielerei, bei der er die Ideen anderer verkörpert. Auf der Bühne laufen beide
Seiten zusammen: Er schreibt, erzählt, liest, spielt – und entscheidet selbst, wohin sich der Abend bewegt. „Ich kann da machen, was ich will“, sagt er. Er könne ausprobieren, kürzen, ergänzen
und jeden Auftritt anders gestalten. Genau diese Freiheit mache die Abende für ihn spannend.
Die Tour betrachtet er deshalb als Alternative und Erweiterung zum Fernsehen. Begonnen hat sie im Herbst 2024, geplant wird inzwischen bis in den Sommer 2028. Ein festes Ende möchte Wnuk ihr
ohnehin nicht setzen. Im besten Fall soll sie ihn noch sehr lange begleiten.
116 Orte – und erstmals Borkum
Auf Borkum war der Schauspieler bislang noch nie. Gerade darin liegt für ihn ein besonderer Reiz der Tour, die ihn aktuell durch 116 Städte und Landstriche im deutschsprachigen Raum führt. „Ich
lerne Deutschland endlich einmal wirklich kennen – in seiner ganzen Fülle“, sagt er. Dazu gehörten selbstverständlich auch die Ostfriesischen Inseln.
Nach einem Auftritt auf Langeoog im vergangenen Jahr stehen diesmal Juist, Norderney, erneut Langeoog und zum Abschluss seiner kleinen Sommerreise auf dem Plan. Viel Zeit zum Erkunden bleibt
allerdings nicht: Bereits am 2. Juli geht es für Wnuk weiter, da kurz darauf in Berlin die Dreharbeiten zu „Die Bachmanns“ beginnen, dem dritten Film einer Patchwork-Familienkomödie aus der Feder
von „Stromberg“-Autor Ralf Husmann.
Für einen kurzen Blick auf den Strand dürfte es dennoch reichen. Vor allem aber freut sich Wnuk auf einen unterhaltsamen Abend mit einem ebenso neugierigen wie humorvollen Borkumer Publikum. Dass
zeitgleich kein wichtiges Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft stattfindet, dürfte die Chancen auf ein gut gefülltes Haus zusätzlich erhöhen. Denn so viel steht fest: Gegen Langeweile
hilft seine Show – gegen ein parallel laufendes Deutschlandspiel wäre selbst Oliver Wnuk vermutlich machtlos.
Oliver Wnuk – „Wnuk denkt laut und liest was
vor“
Mi. 1. Juli 2026, 20 Uhr
Kulturinsel Borkum
Vorverkauf: 26,00 €
Abendkasse: 31,00 €
